Bluthochdruck Folgen: Welche Komplikationen drohen ohne Behandlung
Unbehandelter Bluthochdruck schaedigt Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Erfahren Sie alle Folgen und warum rechtzeitige Behandlung lebenswichtig ist.
Medizinisch geprüft
Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2026.
Bluthochdruck tut nicht weh. Genau das macht ihn so gefaehrlich. Denn waehrend Sie sich voellig gesund fuehlen, arbeitet der erhoehte Druck still und bestaendig daran, Ihre Organe zu schaedigen. Unbehandelt kann Bluthochdruck zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen und vielen weiteren schwerwiegenden Folgen fuehren.
Dieser Artikel zeigt Ihnen die moeglichen Komplikationen nicht, um Angst zu machen, sondern um zu motivieren: Denn all diese Folgen sind vermeidbar, wenn der Blutdruck rechtzeitig erkannt und behandelt wird.
Folgen von unbehandeltem Bluthochdruck
Der chronisch erhoehte Druck schaedigt die Blutgefaesse im gesamten Koerper. Die Gefaesswaende werden steifer, dicker und anfaelliger fuer Ablagerungen (Arteriosklerose). Da Blutgefaesse alle Organe versorgen, kann praktisch jedes Organ betroffen sein.
Die wichtigsten Zielorgane, die durch Bluthochdruck geschaedigt werden:
- Herz: Herzinfarkt, Herzschwaeche, Herzrhythmusstoerungen
- Gehirn: Schlaganfall, vaskulaere Demenz
- Nieren: Chronische Nierenschaeden bis hin zum Nierenversagen
- Augen: Netzhautschaeden, Sehverlust
- Gefaesse: Arteriosklerose, Aortenaneurysma
- Sexualfunktion: Erektile Dysfunktion
Herz und Gefaesse
Das Herz ist das Organ, das am direktesten vom Bluthochdruck betroffen ist. Es muss permanent gegen einen erhoehten Widerstand arbeiten.
Herzverdickung (Linksherzhypertrophie)
Wenn das Herz staendig gegen einen hohen Druck pumpen muss, reagiert es wie jeder Muskel bei Ueberbelastung: Es wird dicker. Die linke Herzkammer, die das Blut in den Koerper pumpt, verdickt sich (Linksherzhypertrophie). Das klingt zunaechst wie eine Anpassung, ist aber ein Krankheitszeichen:
- Die verdickte Herzwand wird steifer
- Das Herz kann sich weniger gut mit Blut fuellen
- Der Sauerstoffbedarf des Herzens steigt
- Langfristig droht Herzschwaeche
Herzinfarkt
Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren fuer einen Herzinfarkt. Der Mechanismus: Der hohe Druck beschaedigt die Innenwand der Herzkranzgefaesse. An diesen Schaeden lagern sich Fette und Entzuendungszellen ab (Arteriosklerose). Wenn eine solche Ablagerung (Plaque) aufreisst, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefaess verschliesst. Der dahinterliegende Herzmuskel bekommt keinen Sauerstoff mehr und stirbt ab.
Die Zahlen: Menschen mit Bluthochdruck haben ein 2- bis 3-fach erhoehtes Risiko fuer einen Herzinfarkt. Schon eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg reduziert das Herzinfarkt-Risiko um etwa 20 Prozent.
Herzschwaeche (Herzinsuffizienz)
Wenn das Herz ueber Jahre gegen den erhoehten Druck arbeiten muss, erschoepft sich seine Leistungsfaehigkeit. Es kann nicht mehr genug Blut pumpen, um den Koerper ausreichend zu versorgen. Die Folgen:
- Kurzatmigkeit, zunaechst bei Anstrengung, spaeter auch in Ruhe
- Wassereinlagerungen in Beinen und Lunge
- Muedigkeit und Leistungsminderung
- Im schlimmsten Fall lebensbedrohliches Herzversagen
Bluthochdruck ist die haeufigste Ursache fuer Herzschwaeche in Deutschland.
Schlaganfall
Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutversorgung eines Hirnbereichs unterbrochen wird. Bluthochdruck erhoht das Schlaganfall-Risiko auf zwei Wegen:
Hirninfarkt (ischaemischer Schlaganfall)
In etwa 80 Prozent der Faelle entsteht ein Schlaganfall durch ein verschlossenes Hirngefaess. Der Bluthochdruck foerdert die Arteriosklerose der Hirngefaesse und erhoht die Gefahr von Blutgerinnseln.
Hirnblutung (haemorrhagischer Schlaganfall)
In etwa 20 Prozent der Faelle platzt ein durch den hohen Druck geschwaechtes Hirngefaess. Diese Form ist besonders gefaehrlich und hat eine hoehere Sterblichkeit.
Die Zahlen: Bluthochdruck ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor fuer einen Schlaganfall. Eine Blutdrucksenkung um 10 mmHg systolisch reduziert das Schlaganfall-Risiko um etwa 30-40 Prozent.
Vaskulaere Demenz
Chronisch hoher Blutdruck schaedigt die feinen Gefaesse im Gehirn auch ohne akuten Schlaganfall. Kleine, oft unbemerkten Durchblutungsstoerungen zerstoeren ueber die Zeit Hirngewebe. Die Folge kann eine vaskulaere Demenz sein, die nach der Alzheimer-Krankheit die zweithaeufigste Demenzform ist.
Nierenschaeden
Die Nieren sind besonders empfindlich gegenueber Bluthochdruck. Sie bestehen aus Millionen kleiner Filtereinheiten (Glomeruli), die von feinen Gefaessen durchzogen sind. Der hohe Druck schaedigt diese Gefaesse und beeintraechtigt die Filterfunktion.
Der Teufelskreis
Geschaedigte Nieren koennen den Wasser- und Salzhaushalt nicht mehr richtig regulieren. Das fuehrt zu einer Erhoehung des Blutdrucks, was die Nieren weiter schaedigt, ein Teufelskreis.
Moegliche Folgen
- Chronische Niereninsuffizienz: Schleichender Funktionsverlust
- Eiweiss im Urin (Proteinurie): Ein fruehes Warnsignal fuer Nierenschaeden
- Nierenversagen: Im Endstadium ist Dialyse oder eine Nierentransplantation noetig
Die Zahlen: Bluthochdruck ist nach Diabetes die zweithaeufigste Ursache fuer Dialyse in Deutschland. Regelmaessige Kontrollen der Nierenwerte (Kreatinin, GFR) und des Urins sind bei Bluthochdruck wichtig.
Frueherkennung von Nierenschaeden
Ein einfacher Urintest kann den Eiweissstoff Albumin im Urin nachweisen (Mikroalbuminurie). Dieser Test ist einer der fruehesten Marker fuer Nierenschaeden durch Bluthochdruck und sollte bei allen Bluthochdruck-Patienten regelmaessig durchgefuehrt werden. Ihr Arzt kontrolliert zudem den Kreatininwert und die GFR (Glomerulaere Filtrationsrate) im Blut, um die Nierenfunktion einzuschaetzen.
Augenschaeden
Die Netzhaut (Retina) des Auges ist von einem feinen Netz von Blutgefaessen durchzogen. Diese Gefaesse sind so empfindlich, dass Aerzte sie direkt untersuchen koennen und damit Rueckschluesse auf den Zustand der Gefaesse im gesamten Koerper ziehen.
Hypertensive Retinopathie
Chronisch erhoehter Blutdruck schaedigt die Netzhautgefaesse in verschiedenen Schweregraden:
- Stadium 1: Leichte Verengung der Netzhautarterien
- Stadium 2: Deutliche Verengung und Wandverdickungen
- Stadium 3: Blutungen und Ablagerungen in der Netzhaut
- Stadium 4: Schwellung des Sehnervs (Papilloedem), Sehverlust droht
Symptome
Die fruehen Stadien verursachen keine Beschwerden. In fortgeschrittenen Stadien koennen auftreten:
- Verschwommenes Sehen
- Dunkle Flecken im Gesichtsfeld
- Ploetzlicher Sehverlust (aerztlicher Notfall)
Regelmaessige Augenuntersuchungen sind bei Bluthochdruck daher besonders wichtig.
Erektile Dysfunktion
Bluthochdruck kann die Erektionsfaehigkeit bei Maennern erheblich beeintraechtigen. Die Ursache ist dieselbe wie bei anderen Organschaeden: Der hohe Druck schaedigt die feinen Gefaesse, die fuer eine Erektion notwendig sind.
Die Zahlen: Maenner mit Bluthochdruck haben ein 2-fach erhoehtes Risiko fuer Erektionsprobleme. Erektile Dysfunktion kann sogar ein Fruehwarnsignal fuer Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.
Das Dilemma: Einige Blutdruckmedikamente (besonders Betablocker und Diuretika) koennen die Erektionsprobleme verstaerken. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt. Es gibt Alternativen, die besser vertraeglich sind (z. B. ACE-Hemmer, Sartane, Nebivolol).
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Bluthochdruck foerdert die Arteriosklerose nicht nur in den Herzkranzgefaessen und Hirnarterien, sondern auch in den Beinarterien. Die Folge ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, umgangssprachlich auch “Schaufensterkrankheit” genannt.
Typische Symptome:
- Schmerzen in den Beinen beim Gehen (Claudicatio intermittens)
- Kalte Fuesse und blasse Haut
- In fortgeschrittenen Stadien: Schmerzen auch in Ruhe
- Im schlimmsten Fall: Gewebebabsterben (Nekrose), das eine Amputation noetig machen kann
Menschen mit Bluthochdruck haben ein 2,5-fach erhoehtes Risiko fuer pAVK. Zusammen mit Rauchen potenziert sich das Risiko enorm.
Aortenaneurysma
Chronisch hoher Blutdruck kann die Wand der Aorta (Hauptschlagader) schwaechen. Im Laufe der Zeit kann sich eine Aussackung (Aneurysma) bilden. Die groesste Gefahr: Ein Riss des Aneurysmas (Ruptur) ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit hoher Sterblichkeit. Regelmaessige Ultraschalluntersuchungen koennen Aneurysmen fruehzeitig erkennen.
Warum Behandlung lebenswichtig ist
Nach dem Lesen dieses Artikels denken Sie vielleicht: Das klingt alles beaengstigend. Aber genau das ist die Motivation. Denn die wichtigste Botschaft lautet: All diese Komplikationen sind vermeidbar.
Was eine Blutdrucksenkung bringt
Eine Senkung des systolischen Blutdrucks um nur 10 mmHg reduziert:
| Komplikation | Risikoreduktion |
|---|---|
| Schlaganfall | -30 bis -40% |
| Herzinfarkt | -20% |
| Herzschwaeche | -28% |
| Gesamtsterblichkeit | -13% |
Es ist nie zu spaet
Selbst wenn bereits Schaeden vorliegen, lohnt sich eine Blutdrucksenkung. Sie verlangsamt das Fortschreiten der Organschaeden und kann Folgeerkrankungen verhindern. Je frueher Sie handeln, desto besser, aber es ist nie zu spaet.
Was Sie jetzt tun koennen
- Blutdruck kennen: Lassen Sie Ihren Blutdruck messen. Wie das richtig geht, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Blutdruck messen.
- Werte einordnen: Nutzen Sie unsere Blutdruck-Tabelle, um Ihre Werte zu verstehen.
- Aktiv werden: In unserem umfassenden Ratgeber finden Sie 15 wirksame Methoden, den Blutdruck zu senken.
- Arzt konsultieren: Bei erhoehten Werten sprechen Sie mit Ihrem Arzt ueber die beste Behandlungsstrategie.
FAQ: Haeufige Fragen zu Bluthochdruck-Komplikationen
Was passiert, wenn Bluthochdruck nicht behandelt wird?
Unbehandelter Bluthochdruck schaedigt schleichend die Blutgefaesse und damit alle Organe: Herz (Herzinfarkt, Herzschwaeche), Gehirn (Schlaganfall, Demenz), Nieren (Nierenversagen), Augen (Sehverlust) und Gefaesse (Arteriosklerose). Je laenger der Blutdruck erhoht bleibt, desto groesser werden die Schaeden.
Kann Bluthochdruck toedlich sein?
Ja, unbehandelter Bluthochdruck ist weltweit eine der haeufigsten Ursachen fuer vorzeitigen Tod. Er ist der wichtigste Risikofaktor fuer Herzinfarkt und Schlaganfall, die zusammen in Deutschland jedes Jahr mehr als 100.000 Todesopfer fordern. Die gute Nachricht: Diese Risiken lassen sich durch Behandlung drastisch senken.
Welche Organe schaedigt Bluthochdruck?
Bluthochdruck schaedigt vor allem Herz (Verdickung, Infarkt, Schwaeche), Gehirn (Schlaganfall, Demenz), Nieren (schleichende Funktionseinschraenkung), Augen (Netzhautschaeden) und die Blutgefaesse im gesamten Koerper (Arteriosklerose). Auch die Sexualfunktion kann beeintraechtigt sein.
Wie schnell schaedigt Bluthochdruck die Organe?
Die Schaedigung erfolgt schleichend ueber Jahre bis Jahrzehnte. Erste Veraenderungen an den Gefaessen koennen bereits nach wenigen Jahren erhoehtem Blutdruck nachweisbar sein. Schwerwiegende Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall treten meist erst nach Jahren auf. Deshalb ist eine fruehzeitige Behandlung so wichtig.
Sind Bluthochdruck-Schaeden reversibel?
Fruehe Veraenderungen wie eine leichte Herzverdickung koennen sich bei erfolgreicher Blutdrucksenkung teilweise zurueckbilden. Fortgeschrittene Schaeden wie Nierenschaeden oder Gefaessverkalkung sind jedoch in der Regel nicht reversibel. Die Behandlung kann aber das Fortschreiten stoppen und weitere Komplikationen verhindern.
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