Bluthochdruck Medikamente: ACE-Hemmer, Betablocker & Co. im Ueberblick
Bluthochdruck Medikamente erklaert: ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika und mehr. Wirkung, Nebenwirkungen und was Sie als Patient wissen muessen.
Medizinisch geprüft
Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2026.
Wenn Lebensstilaenderungen allein nicht ausreichen, kommen Medikamente ins Spiel. Rund 80 Prozent aller Menschen mit Bluthochdruck benoetigen dauerhaft Medikamente, um ihre Werte im Zielbereich zu halten. Das ist kein Versagen, sondern eine wirksame und gut erforschte Therapie.
In diesem Artikel erhalten Sie einen verstaendlichen Ueberblick ueber die wichtigsten Medikamentenklassen, ihre Wirkungsweise, typische Nebenwirkungen und was Sie als Patient wissen sollten.
Medikamente gegen Bluthochdruck
Es gibt fuenf grosse Wirkstoffklassen, die als erste Wahl bei der Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden. Jede Klasse greift an einem anderen Punkt in die Blutdruckregulation ein:
- ACE-Hemmer - Hemmen ein blutdrucksteigerndes Enzym
- AT1-Antagonisten (Sartane) - Blockieren einen Blutdruck-Rezeptor
- Betablocker - Verlangsamen den Herzschlag
- Kalziumkanalblocker - Erweitern die Gefaesse
- Diuretika - Foerdern die Wasserausscheidung
Ihr Arzt waehlt das Medikament anhand Ihres Blutdrucks, Ihres Alters, Ihrer Begleiterkrankungen und Ihrer individuellen Vertraeglichkeit aus.
ACE-Hemmer
ACE-Hemmer gehoeren zu den am haeufigsten verschriebenen Blutdruckmedikamenten in Deutschland. ACE steht fuer “Angiotensin-Converting-Enzyme”, ein Enzym, das an der Blutdruckregulation beteiligt ist.
So wirken ACE-Hemmer
Das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) ist einer der wichtigsten Blutdruck-Regulatoren im Koerper. ACE-Hemmer blockieren das Enzym, das Angiotensin I in das gefaessverengende Angiotensin II umwandelt. Weniger Angiotensin II bedeutet: Die Gefaesse bleiben weiter, und der Blutdruck sinkt.
Haeufige Wirkstoffe
- Ramipril (am haeufigsten verschrieben in Deutschland)
- Enalapril
- Lisinopril
- Perindopril
- Captopril
Nebenwirkungen
- Reizhusten: Die bekannteste Nebenwirkung, betrifft 5-20% der Patienten. Ein trockener, tickender Husten, der unabhaengig von Erkaeltungen auftritt. Falls dieser auftritt, wird meist auf einen AT1-Antagonisten (Sartan) umgestellt.
- Schwindel: Besonders zu Beginn der Therapie
- Erhoehter Kaliumspiegel: Regelmaessige Blutkontrollen noetig
- Geschmacksstoerungen: Selten, aber moeglich
- Angiooedem: Sehr selten, aber ernst. Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge erfordert sofortige aerztliche Hilfe.
Wichtig: ACE-Hemmer duerfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.
Betablocker
Betablocker sind eine der aeltesten und bewaehrtesten Medikamentenklassen gegen Bluthochdruck. Monatlich suchen ueber 31.000 Menschen in Deutschland nach Informationen zu Betablockern.
So wirken Betablocker
Betablocker blockieren die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin an den Beta-Rezeptoren des Herzens. Das bewirkt:
- Das Herz schlaegt langsamer (niedrigere Herzfrequenz)
- Das Herz schlaegt weniger kraftvoll
- Weniger Blut wird pro Minute gepumpt
- Der Blutdruck sinkt
Haeufige Wirkstoffe
- Bisoprolol (am haeufigsten verschrieben)
- Metoprolol
- Nebivolol (gefaesserweiternd, oft besser vertraeglich)
- Carvedilol (kombinierte Alpha- und Beta-Blockade)
- Atenolol
Nebenwirkungen
- Muedigkeit und Abgeschlagenheit: Besonders zu Beginn
- Kalte Haende und Fuesse: Durch Verlangsamung des Kreislaufs
- Gewichtszunahme: Bei manchen Patienten
- Erektile Dysfunktion: Kann bei Maennern auftreten
- Schlafstoreungen: Einschlafprobleme, lebhafte Traeume
- Verlangsamter Puls: Muss ueberwacht werden
Besonders geeignet bei: Bluthochdruck mit Herzrhythmusstoerungen, nach Herzinfarkt, bei Herzschwaeche, bei erhoehter Herzfrequenz.
Vorsicht: Betablocker duerfen nicht abrupt abgesetzt werden. Die Dosis muss schrittweise reduziert werden (Ausschleichen), da sonst ein gefaehrlicher Blutdruckanstieg droht.
Diuretika
Diuretika, umgangssprachlich “Wassertabletten” genannt, gehoeren zu den aeltesten Blutdruckmedikamenten und werden oft in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt.
So wirken Diuretika
Diuretika foerdern die Ausscheidung von Wasser und Salz ueber die Nieren. Weniger Fluessigkeit im Koerper bedeutet weniger Blutvolumen und damit weniger Druck auf die Gefaesswaende.
Verschiedene Typen
- Thiazid-Diuretika: HCT (Hydrochlorothiazid), Indapamid, Chlortalidon. Die Standardwahl bei Bluthochdruck.
- Schleifendiuretika: Furosemid, Torasemid. Staerker wirksam, vor allem bei Herzschwaeche eingesetzt.
- Kaliumsparende Diuretika: Spironolacton, Eplerenon. Werden oft ergaenzend eingesetzt.
Nebenwirkungen
- Haeufiges Wasserlassen: Besonders zu Beginn. Nehmen Sie Diuretika morgens ein.
- Elektrolytstoerungen: Kalium- und Magnesiummangel moeglich, regelmaessige Blutkontrollen wichtig
- Erhoehte Harnsaeure: Kann Gichtanfaelle ausloesen
- Schwindel: Durch Fluessigkeitsverlust
- Muskelkraempfe: Durch Mineralstoffmangel
Kalziumkanalblocker
Kalziumkanalblocker (auch Kalziumantagonisten genannt) sind besonders wirksam und werden haeufig eingesetzt, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden.
So wirken Kalziumkanalblocker
Kalzium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelkontraktion, auch in den Gefaesswaenden. Kalziumkanalblocker verhindern, dass Kalzium in die Muskelzellen der Gefaesse eindringt. Die Gefaessmuskulatur entspannt sich, die Gefaesse werden weiter, und der Blutdruck sinkt.
Haeufige Wirkstoffe
- Amlodipin (am haeufigsten verschrieben)
- Lercanidipin
- Nifedipin (retardierte Form)
- Verapamil (wirkt auch auf das Herz)
- Diltiazem (wirkt auch auf das Herz)
Nebenwirkungen
- Knoecheloedeme: Geschwollene Fuesse und Knoechel, die haeufigste Nebenwirkung (besonders bei Amlodipin)
- Gesichtsroetung (Flush): Waermegefuehl im Gesicht
- Kopfschmerzen: Durch Gefaesserweiterung
- Zahnfleischwucherung: Selten, aber moeglich
- Verstopfung: Besonders bei Verapamil
Besonders geeignet bei: Aelteren Patienten, isolierter systolischer Hypertonie, Patienten mit Asthma (da Betablocker hier nicht geeignet sind).
AT1-Antagonisten/Sartane
Sartane sind die neueste der fuenf Standardklassen und werden als Alternative zu ACE-Hemmern eingesetzt, besonders wenn deren typischer Reizhusten auftritt.
So wirken Sartane
Sartane blockieren direkt den Angiotensin-II-Rezeptor (AT1-Rezeptor). Das Ergebnis ist aehnlich wie bei ACE-Hemmern: Die Gefaesse werden weiter, und der Blutdruck sinkt. Da sie an einem anderen Punkt ansetzen, verursachen sie in der Regel keinen Reizhusten.
Haeufige Wirkstoffe
- Candesartan (am haeufigsten in Deutschland)
- Valsartan
- Losartan
- Irbesartan
- Telmisartan (besonders lange Wirkdauer)
Nebenwirkungen
- Schwindel: Besonders zu Beginn der Therapie
- Erhoehter Kaliumspiegel: Regelmaessige Kontrolle noetig
- Muedigkeit: Seltener als bei Betablockern
- Magen-Darm-Beschwerden: Gelegentlich
Sartane gelten allgemein als sehr gut vertraeglich und haben unter allen Blutdruckmedikamenten die niedrigste Abbruchrate wegen Nebenwirkungen.
Wichtig: Wie ACE-Hemmer duerfen auch Sartane in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.
Kombinationstherapie
In der Praxis reicht ein einzelner Wirkstoff oft nicht aus, um den Blutdruck ausreichend zu senken. Aktuelle Leitlinien empfehlen daher haeufig von Anfang an eine Kombinationstherapie:
Haeufige Kombinationen
- ACE-Hemmer + Kalziumkanalblocker: Eine der am besten untersuchten Kombinationen
- ACE-Hemmer + Diuretikum: Sehr haeufig eingesetzt
- Sartan + Kalziumkanalblocker: Gut vertraeglich
- Sartan + Diuretikum: Standardkombination
Vorteil der Kombination
Die Kombination zweier niedriger dosierter Wirkstoffe senkt den Blutdruck staerker als ein einzelner hochdosierter Wirkstoff und verursacht dabei weniger Nebenwirkungen. Viele Kombinationen sind als Einzeltablette erhaeltlich (sogenannte Fixkombinationen), was die Einnahme vereinfacht.
Was nicht kombiniert werden darf
ACE-Hemmer und Sartane sollten nicht miteinander kombiniert werden. Beide greifen am gleichen System an und die Kombination erhoht das Risiko fuer Nebenwirkungen, ohne den Blutdruck wesentlich staerker zu senken.
Nebenwirkungen: Was Sie wissen sollten
Jedes Medikament kann Nebenwirkungen haben, aber nicht jeder Patient erlebt sie. Wichtig zu wissen:
- Viele Nebenwirkungen sind voruebergehend und bessern sich nach einigen Wochen
- Die Nebenwirkungen von Bluthochdruck (Herzinfarkt, Schlaganfall) sind deutlich schwerwiegender als die meisten Medikamenten-Nebenwirkungen
- Es gibt Alternativen: Wenn ein Medikament nicht vertragen wird, kann Ihr Arzt auf einen anderen Wirkstoff umstellen
- Nicht eigenmaechttig absetzen: Sprechen Sie immer zuerst mit Ihrem Arzt, wenn Nebenwirkungen auftreten
Tipps zum Umgang mit Nebenwirkungen
- Nehmen Sie die Medikamente wie verordnet ein (Zeitpunkt, Dosierung)
- Fuehren Sie ein Nebenwirkungs-Tagebuch
- Berichten Sie Ihrem Arzt regelmaessig ueber Beschwerden
- Geben Sie einem neuen Medikament 4-6 Wochen Zeit (sofern keine schweren Nebenwirkungen auftreten)
Medikamente absetzen?
Die Frage “Kann ich meine Blutdruckmedikamente absetzen?” hoeren Aerzte sehr haeufig. Die Antwort ist differenziert:
Wann ein Absetzversuch moeglich ist
- Der Blutdruck ist ueber laengere Zeit (6-12 Monate) stabil im Normalbereich
- Sie haben Ihren Lebensstil deutlich veraendert (Gewicht, Ernaehrung, Bewegung)
- Der Bluthochdruck war nur leicht (Grad 1)
- Keine Organschaeden oder Begleiterkrankungen
Wie das Absetzen ablaufen sollte
- Nur in Absprache mit dem Arzt
- Schrittweise Reduktion (nie abrupt absetzen)
- Engmaschige Blutdruckkontrollen waehrend der Reduktion
- Sofort zurueck zur vollen Dosis wenn die Werte wieder steigen
Die Realitaet
Die meisten Patienten mit Bluthochdruck benoetigen die Medikamente lebenslang. Das ist keine Schwaeche, sondern eine wirksame Behandlung einer chronischen Erkrankung, aehnlich wie eine Brille bei Kurzsichtigkeit.
Mehr ueber natuerliche Methoden zur Ergaenzung Ihrer Medikamente erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Blutdruck senken und in unserem Artikel zu Hausmitteln gegen Bluthochdruck.
FAQ: Haeufige Fragen zu Bluthochdruck Medikamenten
Welche Blutdruckmedikamente gibt es?
Die fuenf Hauptklassen sind ACE-Hemmer (z. B. Ramipril), AT1-Antagonisten/Sartane (z. B. Candesartan), Betablocker (z. B. Bisoprolol), Kalziumkanalblocker (z. B. Amlodipin) und Diuretika (z. B. HCT). Oft wird eine Kombination aus zwei oder drei Wirkstoffen eingesetzt, um den Blutdruck optimal zu senken.
Was sind die Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern?
Die Nebenwirkungen haengen von der Wirkstoffklasse ab. ACE-Hemmer koennen Reizhusten verursachen. Betablocker koennen zu Muedigkeit und kalten Extremitaeten fuehren. Diuretika erhoehen den Harndrang. Kalziumkanalblocker koennen Knoecheloedeme verursachen. Sartane sind in der Regel am besten vertraeglich.
Was ist besser: ACE-Hemmer oder Betablocker?
Beide Wirkstoffklassen senken den Blutdruck effektiv, haben aber unterschiedliche Einsatzgebiete. ACE-Hemmer sind Erstlinientherapie und besonders geeignet bei Diabetes, Herzschwaeche und Nierenerkrankungen. Betablocker sind ideal bei erhoehter Herzfrequenz, Herzrhythmusstoerungen und nach Herzinfarkt. Die Wahl trifft Ihr Arzt individuell.
Kann man Blutdruckmedikamente wieder absetzen?
In manchen Faellen ja, wenn der Blutdruck ueber Monate stabil normal ist und der Lebensstil deutlich veraendert wurde. Das Absetzen darf jedoch nur schrittweise und unter aerztlicher Aufsicht erfolgen. Die meisten Patienten benoetigen die Medikamente dauerhaft.
Wann ist der beste Zeitpunkt fuer die Einnahme?
Das haengt vom Medikament ab. Diuretika sollten morgens genommen werden (wegen des erhoehten Harndrangs). Viele andere Blutdruckmedikamente werden ebenfalls morgens eingenommen. Neuere Studien zeigen, dass eine abendliche Einnahme bei manchen Patienten Vorteile haben kann. Folgen Sie der Empfehlung Ihres Arztes.
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