Niedriger Blutdruck: Ursachen, Symptome & was sofort hilft
Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Ursachen, Symptome und was Sie sofort tun koennen. Erfahren Sie, ab welchen Werten es gefaehrlich wird und wann zum Arzt.
Medizinisch geprüft
Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2026.
Schwindel beim Aufstehen, Muedigkeit trotz genug Schlaf, schwarze Punkte vor den Augen? Dann koennte niedriger Blutdruck dahinterstecken. Mit monatlich ueber 46.000 Suchanfragen ist “niedriger Blutdruck” eines der meistgesuchten Gesundheitsthemen in Deutschland.
Die beruhigende Nachricht vorweg: Niedriger Blutdruck ist in den meisten Faellen harmlos und sogar ein Zeichen fuer ein gesundes Herz-Kreislauf-System. Trotzdem kann er den Alltag erheblich beeintraechtigen. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles ueber Ursachen, Symptome und was Sie dagegen tun koennen.
Was ist niedriger Blutdruck?
Von niedrigem Blutdruck (Hypotonie) spricht man, wenn die Blutdruckwerte dauerhaft unter bestimmten Schwellenwerten liegen. Im Gegensatz zum Bluthochdruck gibt es keine einheitliche internationale Definition. In Deutschland gelten folgende Grenzwerte:
- Frauen: Blutdruck unter 100/60 mmHg
- Maenner: Blutdruck unter 110/70 mmHg
Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu Bluthochdruck ist niedriger Blutdruck in der Regel keine Erkrankung, sondern ein Befund. Er wird erst dann zum Problem, wenn er Beschwerden verursacht oder auf eine Grunderkrankung hinweist.
Formen der Hypotonie
Aerzte unterscheiden drei Hauptformen:
1. Primaere (essentielle) Hypotonie: Die haeufigste Form. Der Blutdruck ist dauerhaft niedrig, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Betrifft besonders junge, schlanke Frauen und ist oft genetisch bedingt.
2. Sekundaere Hypotonie: Der niedrige Blutdruck wird durch eine Grunderkrankung oder Medikamente verursacht. Dies muss aerztlich abgeklaert werden.
3. Orthostatische Hypotonie: Der Blutdruck faellt beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen ploetzlich ab. Der Koerper schafft es nicht schnell genug, den Blutdruck an die veraenderte Position anzupassen.
Niedriger Blutdruck Werte
Hier sehen Sie, ab welchen Werten man von niedrigem Blutdruck spricht:
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Optimal | 100-120 | 60-80 |
| Niedriger Blutdruck (Frauen) | unter 100 | unter 60 |
| Niedriger Blutdruck (Maenner) | unter 110 | unter 70 |
| Stark erniedrigter Blutdruck | unter 90 | unter 50 |
| Kreislaufkollaps-Gefahr | unter 80 | unter 40 |
Zum Vergleich: Bei der Blutdruck-Tabelle fuer Normalwerte finden Sie die vollstaendige Uebersicht aller Blutdruck-Kategorien.
Wann wird es kritisch?
- Werte unter 90/60 mmHg mit Symptomen wie Schwindel oder Benommenheit sollten aerztlich abgeklaert werden
- Werte unter 80/40 mmHg mit Bewusstseinstruebung sind ein Notfall
- Ein ploetzlicher starker Blutdruckabfall ist immer ein Warnsignal, unabhaengig vom Ausgangswert
Ursachen
Die Ursachen fuer niedrigen Blutdruck sind vielfaeltig:
Harmlose Ursachen
- Konstitution: Schlanke, grosse Menschen haben haeufiger niedrigen Blutdruck
- Genetik: Niedriger Blutdruck liegt in der Familie
- Jugendliches Alter: Besonders junge Frauen sind betroffen
- Schwangerschaft: Im ersten und zweiten Trimester sinkt der Blutdruck physiologisch
- Hitze: Warme Temperaturen weiten die Gefaesse
- Langes Stehen: Blut versackt in den Beinen
Flüssigkeitsmangel
Zu wenig Trinken ist eine der haeufigsten und einfachsten Ursachen. Bereits ein Fluessigkeitsdefizit von 1-2 Prozent des Koerpergewichts kann den Blutdruck spuerbar senken. Besonders gefaehrdet sind aeltere Menschen, die weniger Durstgefuehl haben.
Medikamente
Viele Medikamente koennen den Blutdruck senken, manchmal staerker als beabsichtigt:
- Blutdruckmedikamente (zu hoch dosiert)
- Diuretika (Wassertabletten)
- Antidepressiva
- Parkinson-Medikamente
- Prostata-Medikamente (Alpha-Blocker)
- Starke Schmerzmittel
Erkrankungen (sekundaere Hypotonie)
- Herzschwaeche: Das Herz pumpt nicht genug Blut
- Herzrhythmusstoerungen: Unregelmaessiger Herzschlag beeintraechtigt die Pumpleistung
- Schilddruesenunterfunktion: Verlangsamt den gesamten Stoffwechsel
- Nebennierenschwaeche (Morbus Addison): Zu wenig Cortisol und Aldosteron
- Diabetes: Nervenschaeden koennen die Blutdruckregulation stoeren
- Infektionen/Sepsis: Schwere Infektionen koennen den Blutdruck gefaehrlich senken
- Innere Blutungen: Blutverlust fuehrt zu Blutdruckabfall
Symptome
Niedriger Blutdruck verursacht typische Beschwerden, die durch die verminderte Durchblutung, vor allem des Gehirns, entstehen:
Die haeufigsten Symptome
- Schwindel: Besonders beim Aufstehen (orthostatischer Schwindel)
- Schwarzwerden vor den Augen: Kurzzeitige Sehstoerungen beim Aufstehen
- Muedigkeit und Antriebslosigkeit: Trotz ausreichend Schlaf
- Konzentrationsprobleme: Eingeschraenkte geistige Leistungsfaehigkeit
- Kalte Haende und Fuesse: Durch zentralisierte Durchblutung
- Blaesse: Besonders im Gesicht
- Herzklopfen oder Herzrasen: Der Koerper versucht, den niedrigen Druck zu kompensieren
- Ohnmacht (Synkope): In schweren Faellen kurzzeitiger Bewusstseinsverlust
Orthostatische Beschwerden
Besonders typisch fuer niedrigen Blutdruck sind Symptome, die beim Aufstehen auftreten:
- Sternchensehen oder schwarze Punkte vor den Augen
- Schwindel und Benommenheit
- Unsicherer Gang
- Herzrasen (der Koerper versucht gegenzusteuern)
- Im schlimmsten Fall: Ohnmacht
Diese Beschwerden entstehen, weil beim Aufstehen das Blut in die Beine sackt und das Gehirn voruebergehend weniger Blut bekommt.
Ist niedriger Blutdruck gefaehrlich?
Die kurze Antwort: In den meisten Faellen nicht. Niedriger Blutdruck ist in der Regel harmlos und kann sogar schuetzend sein, denn Menschen mit dauerhaft niedrigem Blutdruck haben ein geringeres Risiko fuer Herzinfarkt und Schlaganfall.
Wann niedriger Blutdruck harmlos ist
- Wenn er keine oder nur leichte Beschwerden verursacht
- Wenn er schon immer so war (konstitutionelle Hypotonie)
- Bei jungen, schlanken Menschen
- In der Schwangerschaft (leichte Senkung im 1./2. Trimester)
Wann niedriger Blutdruck gefaehrlich werden kann
- Sturzgefahr: Besonders bei aelteren Menschen kann der Schwindel zu Stuerzen mit Knochenbruechen fuehren
- Ohnmacht: Bewusstseinsverlust, z. B. im Strassenverkehr
- Sekundaere Ursachen: Wenn eine Grunderkrankung (Herzschwaeche, innere Blutung, Sepsis) dahintersteckt
- Schock: Ein extremer Blutdruckabfall (unter 80/40 mmHg) mit Bewusstseinstruebung ist lebensbedrohlich
Wann zum Arzt?
Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:
- Der niedrige Blutdruck Sie im Alltag stark beeintraechtigt
- Sie regelmaessig ohnmaechtig werden
- Der Blutdruck ploetzlich stark abfaellt
- Neue Symptome hinzukommen (Brustschmerzen, starkes Herzklopfen)
- Sie vermuten, dass Medikamente die Ursache sind
Was hilft sofort?
Wenn Ihnen schwindelig wird oder Sie merken, dass der Kreislauf absackt, helfen diese Sofort-Massnahmen:
Akute Hilfe bei Kreislaufproblemen
- Beine hochlegen: Legen Sie sich hin und lagern Sie die Beine hoch (ueber Herzhoehe). Das Blut fliesst zurueck zum Herzen und Gehirn.
- Wadenmuskel-Pumpe: Wenn Sie stehen muessen, wippen Sie auf den Zehenspitzen auf und ab. Das pumpt Blut aus den Beinen zurueck.
- Beine kreuzen und anspannen: Ueberkreuzen Sie die Beine im Stehen und spannen Sie Oberschenkel und Gesaess an.
- Kaltes Wasser: Trinken Sie ein grosses Glas kaltes Wasser. Das erhoht kurzfristig das Blutvolumen.
- In die Hocke gehen: Wenn Ihnen schwarz wird, gehen Sie sofort in die Hocke.
Taegliche Gewohnheiten
- Ausreichend trinken: Mindestens 2-2,5 Liter Wasser pro Tag
- Salzreicher essen: Im Gegensatz zu Bluthochdruck ist mehr Salz bei niedrigem Blutdruck erwuenscht
- Koffein: Kaffee und Tee koennen den Blutdruck kurzfristig erhohen
- Langsam aufstehen: Erst an die Bettkante setzen, dann langsam aufstehen
- Wechselduschen: Abwechselnd warm und kalt duschen trainiert die Gefaesse
- Kleine Mahlzeiten: Grosse Mahlzeiten ziehen Blut in den Verdauungstrakt
Behandlung und Vorbeugung
Lebensstilmassnahmen (erste Wahl)
Bewegung:
- Regelmaessiger Ausdauersport (Schwimmen, Radfahren, Joggen)
- Trainiert das Herz-Kreislauf-System
- Verbessert die Blutdruckregulation
- 3-5 Mal pro Woche, 30 Minuten
Ernaehrung:
- Ausreichend trinken (2-2,5 Liter pro Tag)
- Mehr Salz (bei Hypotonie ausdruecklich erlaubt und empfohlen)
- Kleine, haeufige Mahlzeiten statt weniger grosser
- Koffeinhaltige Getraenke koennen helfen
Kompressionsstruempfe:
- Verhindern, dass Blut in den Beinen versackt
- Besonders hilfreich bei orthostatischer Hypotonie
- Kniehohe Struempfe der Kompressionsklasse 1-2 sind meist ausreichend
Schlafen:
- Kopfende des Bettes leicht erhohen (10-15 cm)
- Trainiert die Blutdruckregulation ueber Nacht
Medikamentoese Therapie
Medikamente gegen niedrigen Blutdruck werden nur selten eingesetzt und nur dann, wenn die Lebensstilmassnahmen nicht ausreichen und die Beschwerden den Alltag erheblich beeintraechtigen:
- Midodrin: Verengt die Blutgefaesse und erhoht den Blutdruck
- Fludrocortison: Ein Mineralokortikoid, das Salz und Wasser im Koerper zurueckhaelt
- Etilefrin: Ein Sympathomimetikum (in Deutschland als Tropfen erhaeltlich)
Diese Medikamente haben Nebenwirkungen und sollten nur nach aerztlicher Verordnung eingenommen werden.
Wenn Sie wissen moechten, ob Ihre Blutdruckwerte normal sind, schauen Sie in unsere ausfuehrliche Blutdruck Normalwerte Tabelle. Und wenn Sie Ihren Blutdruck selbst ueberpruefen moechten, lesen Sie unseren Ratgeber zum Blutdruck richtig messen.
FAQ: Haeufige Fragen zu niedrigem Blutdruck
Ab wann ist der Blutdruck zu niedrig?
Von niedrigem Blutdruck spricht man bei Werten unter 100/60 mmHg (Frauen) bzw. unter 110/70 mmHg (Maenner). Behandlungsbeduerftig ist er jedoch nur, wenn er Beschwerden verursacht. Werte unter 90/50 mmHg mit Symptomen wie Schwindel oder Benommenheit sollten aerztlich abgeklaert werden.
Was hilft schnell bei niedrigem Blutdruck?
Sofort-Massnahmen sind: Beine hochlegen, ein grosses Glas kaltes Wasser trinken, etwas Salziges essen, in die Hocke gehen bei drohendem Schwarzwerden oder die Wadenmuskel-Pumpe (auf Zehenspitzen wippen). Langfristig helfen ausreichendes Trinken, mehr Salz, regelmaessige Bewegung und Wechselduschen.
Ist niedriger Blutdruck gefaehrlich?
In den meisten Faellen ist niedriger Blutdruck harmlos und sogar schuetzend fuer Herz und Gefaesse. Er kann jedoch durch Schwindel und Ohnmacht zu Stuerzen fuehren, besonders bei aelteren Menschen. Gefaehrlich wird er, wenn er Symptom einer Grunderkrankung ist oder wenn extreme Werte (unter 80/40 mmHg) mit Bewusstseinstruebung auftreten.
Welche Lebensmittel helfen bei niedrigem Blutdruck?
Salzige Lebensmittel sind bei niedrigem Blutdruck ausdruecklich erwuenscht. Koffeinhaltige Getraenke (Kaffee, schwarzer Tee, gruener Tee) erhohen den Blutdruck kurzfristig. Lakritz enthaelt Glycyrrhizin, das den Blutdruck steigern kann. Ausserdem wichtig: ausreichend Wasser trinken (mindestens 2-2,5 Liter taeglich).
Kann niedriger Blutdruck zu Ohnmacht fuehren?
Ja, ein ploetzlicher Blutdruckabfall kann zu einer Ohnmacht (Synkope) fuehren. Dies passiert haeufig beim schnellen Aufstehen (orthostatische Synkope), bei langem Stehen in der Hitze oder bei starken Emotionen. Falls Sie regelmaessig ohnmaechtig werden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Ursachen auszuschliessen.
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