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Arzt misst den Blutdruck eines Patienten mit einem modernen Blutdruckmessgeraet
Bluthochdruck (Aktualisiert: 6. Februar 2026)

Bluthochdruck: Was ist Hypertonie und warum ist sie so gefaehrlich?

Was ist Bluthochdruck? Erfahren Sie alles ueber Ursachen, Normalwerte, primaere und sekundaere Hypertonie und warum hoher Blutdruck so gefaehrlich ist.

Aktualisiert: 6. Februar 2026

Medizinisch geprüft

Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2026.

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland lebt mit Bluthochdruck. Das entspricht rund 20 Millionen Menschen. Das Tueckische: Viele wissen gar nicht, dass ihre Werte zu hoch sind. Denn Bluthochdruck verursacht lange Zeit keine spuerbaren Beschwerden, waehrend er im Stillen Herz, Gefaesse und Organe schaedigt.

In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, was Bluthochdruck genau ist, wie er entsteht, ab welchen Werten er gefaehrlich wird und warum eine fruehzeitige Behandlung so wichtig ist.

Was ist Bluthochdruck?

Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie genannt, bedeutet, dass der Druck in Ihren Blutgefaessen dauerhaft zu hoch ist. Das Herz muss staerker arbeiten, um das Blut durch den Koerper zu pumpen, und die Gefaesswaende werden staendig ueberbeansprucht.

Um zu verstehen, was Bluthochdruck bedeutet, hilft ein Blick auf das Herz-Kreislauf-System: Ihr Herz schlaegt rund 100.000 Mal pro Tag und pumpt dabei etwa 7.000 Liter Blut durch Ihren Koerper. Bei jedem Herzschlag wird Blut in die Arterien gepresst. Der dabei entstehende Druck auf die Gefaesswaende ist der Blutdruck.

Zwei Werte sind entscheidend:

  • Systolischer Wert (oberer Wert): Der Druck, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut auswirft
  • Diastolischer Wert (unterer Wert): Der Druck, wenn das Herz sich entspannt und mit Blut fuellt

Ein Blutdruck von 120/80 mmHg (gesprochen: “120 zu 80”) gilt als optimal. Von Bluthochdruck spricht man, wenn die Werte wiederholt bei 140/90 mmHg oder hoeher liegen.

Wie entsteht Bluthochdruck?

Das Herz-Kreislauf-System ist ein geschlossener Kreislauf. Damit das Blut jeden Winkel Ihres Koerpers erreicht, braucht es einen gewissen Druck. Dieser Druck wird durch drei Faktoren bestimmt:

  1. Die Herzleistung: Wie viel Blut das Herz pro Minute pumpt
  2. Der Gefaesswiderstand: Wie eng oder weit die Blutgefaesse sind
  3. Das Blutvolumen: Die gesamte Menge an Blut im Koerper

Wenn einer oder mehrere dieser Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten, steigt der Blutdruck. Verengte Gefaesse zum Beispiel erhoehen den Widerstand. Das Herz muss dann staerker pumpen, um das Blut hindurchzudruecken. Auf Dauer fuehrt das zu einem chronisch erhoehten Blutdruck.

Verschiedene Mechanismen koennen dazu beitragen:

  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose): Ablagerungen machen die Gefaesse enger und steifer
  • Hormonelle Veraenderungen: Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol verengen die Gefaesse
  • Nierenfunktion: Die Nieren regulieren den Salzhaushalt und damit das Blutvolumen
  • Nervensystem: Das vegetative Nervensystem steuert die Gefaessweite

Blutdruck Normalwerte

Die folgende Tabelle zeigt die offiziellen Blutdruck-Kategorien nach der Klassifikation der Europaeischen Gesellschaft fuer Kardiologie (ESC) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)Bewertung
Optimalunter 120unter 80Ideal
Normal120-12980-84In Ordnung
Hochnormal130-13985-89Beobachten
Hypertonie Grad 1 (leicht)140-15990-99Behandlung empfohlen
Hypertonie Grad 2 (mittel)160-179100-109Behandlung notwendig
Hypertonie Grad 3 (schwer)ab 180ab 110Sofort handeln

Wichtig: Bereits ein einzelner erhoehter Wert (systolisch ODER diastolisch) reicht fuer die Einstufung als Bluthochdruck. Wenn also Ihr oberer Wert bei 150 liegt und der untere bei 82, haben Sie bereits eine Hypertonie Grad 1.

Detaillierte Informationen zu Normalwerten nach Alter und Geschlecht finden Sie in unserem Artikel zu Blutdruck Normalwerte und Tabelle.

Primaere vs. Sekundaere Hypertonie

Aerzte unterscheiden zwei grundlegend verschiedene Formen von Bluthochdruck:

Primaere (essentielle) Hypertonie

Bei etwa 90 Prozent aller Betroffenen laesst sich keine einzelne Ursache fuer den hohen Blutdruck finden. Man spricht von primaerer oder essentieller Hypertonie. Hier wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Genetische Veranlagung
  • Lebensstil (Ernaehrung, Bewegungsmangel, Stress)
  • Alter (mit zunehmendem Alter steigt der Blutdruck)
  • Uebergewicht
  • Hoher Salzkonsum

Die primaere Hypertonie entwickelt sich meist schleichend ueber Jahre hinweg. Sie ist nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar.

Sekundaere Hypertonie

Bei etwa 10 Prozent der Betroffenen ist eine bestimmte Grunderkrankung fuer den hohen Blutdruck verantwortlich. Haeufige Ursachen sind:

  • Nierenerkrankungen: Die haeufigste sekundaere Ursache
  • Hormonstoerungen: Schilddruesenprobleme, Nebennierenueberfunktion
  • Schlafapnoe: Atemaussetzer im Schlaf erhoehen den Blutdruck
  • Medikamente: Schmerzmittel, Pille, Kortison und andere

Der entscheidende Unterschied: Wird die Grunderkrankung behandelt, kann sich der Blutdruck bei sekundaerer Hypertonie oft vollstaendig normalisieren.

Wer ist betroffen?

Bluthochdruck kann grundsaetzlich jeden treffen. Einige Gruppen sind jedoch besonders gefaehrdet:

Nach Alter:

  • Unter 30 Jahre: etwa 5 Prozent
  • 30-50 Jahre: etwa 20 Prozent
  • 50-70 Jahre: etwa 40 Prozent
  • Ueber 70 Jahre: etwa 60-70 Prozent

Nach Geschlecht:

  • Bis zum 50. Lebensjahr sind Maenner haeufiger betroffen
  • Nach den Wechseljahren steigt die Rate bei Frauen stark an
  • Ab 65 Jahren sind Frauen und Maenner etwa gleich haeufig betroffen

Weitere Risikofaktoren:

  • Familienaere Vorbelastung (Eltern oder Geschwister mit Bluthochdruck)
  • Uebergewicht, besonders Bauchfett
  • Rauchen
  • Uebermaeessiger Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Chronischer Stress
  • Salzreiche Ernaehrung

In Deutschland sind schaetzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen. Etwa die Haelfte davon weiss nichts von ihrer Erkrankung, weil sie keine Symptome spueren.

Warum ist Bluthochdruck gefaehrlich?

Bluthochdruck wird oft als “stiller Killer” bezeichnet, und das aus gutem Grund: Er verursacht jahrelang keine spuerbaren Beschwerden, richtet aber in dieser Zeit erheblichen Schaden an.

Stellen Sie sich einen Gartenschlauch vor, durch den staendig zu viel Druck laeuft. Ueber die Zeit werden die Waende des Schlauchs bruechig, er bekommt Risse und geht kaputt. Aehnlich ergeht es Ihren Blutgefaessen bei dauerhaft erhoehtem Blutdruck.

Die wichtigsten Folgeschaeden

Herz:

  • Das Herz muss dauerhaft gegen einen erhoehten Widerstand pumpen
  • Die Herzwand verdickt sich (Linksherzhypertrophie)
  • Das Risiko fuer Herzinfarkt steigt um das 2- bis 3-Fache
  • Langfristig droht Herzschwaeche (Herzinsuffizienz)

Gehirn:

  • Beschaedigte Hirngefaesse erhoehen das Schlaganfall-Risiko massiv
  • Chronisch hoher Blutdruck kann zu vaskulaerer Demenz fuehren
  • Erhoehtes Risiko fuer Hirnblutungen

Nieren:

  • Die feinen Nierengefaesse werden geschaedigt
  • Die Nierenfunktion nimmt schleichend ab
  • Im Extremfall droht Nierenversagen und Dialyse

Augen:

  • Schaeden an den Netzhautgefaessen (Hypertensive Retinopathie)
  • Im schlimmsten Fall Sehverlust

Gefaesse:

  • Beschleunigung der Arteriosklerose
  • Erhoehtes Risiko fuer Aortenaneurysma
  • Durchblutungsstoerungen in den Beinen

Mehr zu den moeglichen Folgen lesen Sie in unserem Artikel zu Bluthochdruck Komplikationen.

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht ist: Bluthochdruck laesst sich hervorragend behandeln. Bereits eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 10 mmHg reduziert das Herzinfarkt-Risiko um etwa 20 Prozent und das Schlaganfall-Risiko um etwa 30 Prozent.

Je frueher Sie Ihren Bluthochdruck erkennen und behandeln, desto besser koennen Sie Folgeschaeden verhindern. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus Lebensstilaenderungen und, wenn noetig, Medikamenten.

Erfahren Sie in unserem umfassenden Ratgeber, wie Sie Ihren Blutdruck effektiv senken koennen.

Diagnose: Wie wird Bluthochdruck festgestellt?

Eine einzelne erhoehte Messung bedeutet noch keinen Bluthochdruck. Fuer eine zuverlaessige Diagnose sind wiederholte Messungen noetig. In der Regel geht Ihr Arzt so vor:

  1. Praxismessung: Mehrere Messungen in der Arztpraxis an mindestens 2 verschiedenen Tagen
  2. Selbstmessung: Sie messen Ihren Blutdruck ueber 7 Tage zu Hause (morgens und abends)
  3. 24-Stunden-Messung: Bei Bedarf wird eine Langzeitblutdruckmessung durchgefuehrt

Zusaetzlich wird Ihr Arzt nach Organschaeden suchen (Herz-Ultraschall, Blut- und Urinuntersuchungen, Augenhintergrund) und Begleiterkrankungen abklaeren. Bei Verdacht auf sekundaere Hypertonie folgen weitere Untersuchungen.

So handeln Sie richtig

Wenn Sie Ihren Blutdruck noch nie haben messen lassen oder unsicher sind, ob Ihre Werte in Ordnung sind, empfehlen wir Ihnen folgende Schritte:

  1. Blutdruck messen lassen: Beim Hausarzt oder in der Apotheke. Alternativ koennen Sie sich ein zuverlaessiges Blutdruckmessgeraet fuer zu Hause anschaffen.
  2. Werte dokumentieren: Messen Sie ueber mehrere Tage zu verschiedenen Zeiten und notieren Sie die Werte.
  3. Arzt aufsuchen: Bei Werten ab 140/90 mmHg sollten Sie Ihren Arzt konsultieren.
  4. Lebensstil anpassen: Mehr Bewegung, weniger Salz, Stress abbauen, gesund ernaehren.
  5. Regelmaessig kontrollieren: Auch nach erfolgreicher Behandlung sollten Sie Ihre Werte im Blick behalten.

FAQ: Haeufige Fragen zu Bluthochdruck

Ab welchem Wert spricht man von Bluthochdruck?

Von Bluthochdruck spricht man bei Werten ab 140/90 mmHg. Bereits Werte zwischen 130-139/85-89 mmHg gelten als “hochnormal” und sollten beobachtet werden. Bei Diabetes oder Nierenerkrankungen gelten teilweise strengere Grenzwerte.

Kann man Bluthochdruck spueren?

In den meisten Faellen nicht. Bluthochdruck verursacht oft ueber Jahre keine Beschwerden, weshalb er als “stiller Killer” bezeichnet wird. Erst bei stark erhoehten Werten koennen Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstoerungen auftreten. Deshalb ist regelmaessiges Messen so wichtig.

Ist Bluthochdruck heilbar?

Primaere Hypertonie (etwa 90 Prozent der Faelle) ist nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Durch Lebensstilaenderungen und Medikamente koennen die Werte dauerhaft im Normalbereich gehalten werden. Bei sekundaerer Hypertonie kann die Behandlung der Grunderkrankung den Blutdruck normalisieren.

Wie gefaehrlich ist Bluthochdruck wirklich?

Unbehandelt ist Bluthochdruck sehr gefaehrlich. Er ist der wichtigste Risikofaktor fuer Herzinfarkt und Schlaganfall und weltweit die haeufigste Ursache fuer vorzeitigen Tod. Die gute Nachricht: Bereits eine moderate Blutdrucksenkung reduziert das Risiko fuer Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.

Wer sollte regelmaessig den Blutdruck messen?

Grundsaetzlich sollte jeder Erwachsene seinen Blutdruck kennen. Besonders wichtig ist die regelmaessige Kontrolle fuer Menschen ab 40 Jahren, bei familiaearer Vorbelastung, bei Uebergewicht, bei Diabetes und bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie Sie Ihren Blutdruck korrekt messen, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Blutdruck messen.

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