Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Risiken, Symptome & Behandlung
Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Normalwerte, Praeeklampsie, Risiken fuer Mutter und Kind und sichere Behandlung. Ihr umfassender Ratgeber.
Medizinisch geprüft
Dieser Artikel wurde von unserem medizinischen Redaktionsteam geprüft und entspricht aktuellen medizinischen Leitlinien. Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2026.
Bluthochdruck in der Schwangerschaft betrifft etwa 6-8 Prozent aller werdenden Muetter in Deutschland. Er gehoert zu den haeufigsten Komplikationen waehrend der Schwangerschaft und erfordert besondere Aufmerksamkeit, denn er kann sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind gefaehrden.
Die gute Nachricht: Bei fruehzeitiger Erkennung und richtiger Betreuung haben die meisten betroffenen Frauen eine komplikationslose Schwangerschaft und bringen gesunde Kinder zur Welt. In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie wissen muessen.
Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Es gibt verschiedene Formen von Bluthochdruck in der Schwangerschaft, und es ist wichtig, diese zu unterscheiden:
Chronische Hypertonie
Bluthochdruck, der bereits vor der Schwangerschaft bestand oder vor der 20. Schwangerschaftswoche diagnostiziert wird. Betrifft etwa 1-5 Prozent der Schwangeren. Diese Frauen hatten schon vor der Schwangerschaft erhoehte Werte und benoetigen eine besondere Betreuung waehrend der gesamten Schwangerschaft.
Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie)
Bluthochdruck, der erstmals nach der 20. Schwangerschaftswoche auftritt und nicht mit einer Eiweissausscheidung im Urin (Proteinurie) einhergeht. In den meisten Faellen normalisiert sich der Blutdruck innerhalb von 6 Wochen nach der Geburt.
Praeeklampsie
Die gefaehrlichste Form: Bluthochdruck nach der 20. Schwangerschaftswoche zusammen mit einer Eiweissausscheidung im Urin oder anderen Organkomplikationen. Betrifft 3-5 Prozent aller Schwangerschaften und erfordert engmaschige Ueberwachung.
Aufgesetzte Praeeklampsie
Eine Praeeklampsie, die sich bei einer Frau mit bereits bestehender chronischer Hypertonie entwickelt. Diese Kombination erhoht die Risiken zusaetzlich.
Normalwerte in der Schwangerschaft
Der Blutdruck veraendert sich im Verlauf einer Schwangerschaft natuerlich:
Typischer Verlauf
- 1. Trimester: Der Blutdruck sinkt haeufig leicht ab (hormonelle Gefaessweitung)
- 2. Trimester: Erreicht seinen tiefsten Punkt (um die 20. SSW)
- 3. Trimester: Steigt wieder an und erreicht etwa die Ausgangswerte
Grenzwerte
| Kategorie | Werte | Bewertung |
|---|---|---|
| Normal | unter 140/90 mmHg | Regelmaessige Vorsorge |
| Leicht erhoht | 140-149/90-99 mmHg | Engmaschige Kontrolle |
| Mittel erhoht | 150-159/100-109 mmHg | Behandlung empfohlen |
| Schwer erhoht | ab 160/110 mmHg | Sofortige Behandlung |
Wichtig: In der Schwangerschaft gelten bereits Werte ab 140/90 mmHg als erhoht und behandlungsbeduerftig. Werte ab 160/110 mmHg sind ein Notfall, der sofortige aerztliche Behandlung erfordert.
Schwangerschaftshypertonie
Schwangerschaftshypertonie tritt nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und betrifft etwa 5-6 Prozent der Schwangeren. Typisch fuer diese Form:
- Blutdruck erstmals ueber 140/90 mmHg nach der 20. SSW
- Kein Eiweiss im Urin (unterscheidet sie von Praeeklampsie)
- Keine Organschaeden
- Normalisiert sich meist innerhalb von 6 Wochen nach der Geburt
Risikofaktoren:
- Erste Schwangerschaft
- Alter ueber 35 Jahre
- Uebergewicht
- Mehrlingschwangerschaft
- Bluthochdruck in der Familie
- Frueherer Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Wichtig: Etwa 15-25 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftshypertonie entwickeln eine Praeeklampsie. Deshalb ist eine engmaschige Ueberwachung entscheidend.
Praeeklampsie
Praeeklampsie ist eine der gefuerchtetsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Sie betrifft 3-5 Prozent aller Schwangerschaften und kann fuer Mutter und Kind lebensbedrohlich werden.
Was ist Praeeklampsie?
Praeeklampsie ist mehr als nur hoher Blutdruck. Es handelt sich um eine Erkrankung, bei der die Blutgefaesse der Plazenta (Mutterkuchen) nicht richtig ausgebildet wurden. Das fuehrt zu einer Stoerung der Durchblutung, die verschiedene Organe der Mutter beeintraechtigt.
Warnzeichen der Praeeklampsie
Achten Sie auf diese Symptome, besonders in der zweiten Schwangerschaftshaelfte:
- Starke Kopfschmerzen die nicht auf Schmerzmittel ansprechen
- Sehstoerungen: Flimmern, Lichtblitze, verschwommenes Sehen
- Oberbauchschmerzen (rechts, unter den Rippen, Leberschmerzen)
- Ploetzliche Wassereinlagerungen (Oedeme) im Gesicht und an den Haenden
- Schnelle Gewichtszunahme (mehr als 1 kg pro Woche)
- Uebelkeit und Erbrechen (nach dem 1. Trimester)
- Verminderte Urinmenge
Bei diesen Symptomen sofort Ihren Arzt oder Ihre Hebamme kontaktieren!
HELLP-Syndrom
Eine besonders schwere Komplikation der Praeeklampsie ist das HELLP-Syndrom. Es ist ein Notfall, der sofortige Behandlung erfordert:
- Hemolysis: Zerfall der roten Blutkoerperchen
- Elevated Liver enzymes: Erhoehte Leberwerte
- Low Platelets: Niedrige Blutplaettchen
Symptome: Starke Oberbauchschmerzen, Uebelkeit, Erbrechen, allgemeines Unwohlsein. Das HELLP-Syndrom kann sich sehr schnell entwickeln und erfordert oft eine vorzeitige Entbindung.
Risiken fuer Mutter und Kind
Risiken fuer die Mutter
- Praeeklampsie und Eklampsie (Krampfanfaelle)
- HELLP-Syndrom
- Vorzeitige Plazentaabloesung
- Schlaganfall (selten, aber moglich bei sehr hohen Werten)
- Nieren- und Leberschaeden
- Erhoehtes Risiko fuer Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im spaeteren Leben
Risiken fuer das Kind
- Wachstumsverzoegerung (der Mutterkuchen versorgt das Kind nicht ausreichend)
- Fruehgeburt (oft medizinisch eingeleitet, um Komplikationen zu vermeiden)
- Niedriges Geburtsgewicht
- Sauerstoffmangel
- In schweren Faellen: Totgeburt (sehr selten bei guter Ueberwachung)
Beruhigendes: Bei guter aerztlicher Betreuung und engmaschiger Ueberwachung verlaufen die allermeisten Schwangerschaften mit Bluthochdruck ohne schwere Komplikationen.
Behandlung waehrend der Schwangerschaft
Die Behandlung von Bluthochdruck in der Schwangerschaft erfordert besondere Vorsicht, da nicht alle Medikamente fuer das ungeborene Kind sicher sind.
Lebensstilmassnahmen
- Ruhe und Stressreduktion: Vermeiden Sie uebermaeessige koerperliche Anstrengung
- Gesunde Ernaehrung: Salzarm, reich an Obst, Gemuese und Vollkorn
- Ausreichend Fluessigkeit: Mindestens 2 Liter Wasser pro Tag
- Leichte Bewegung: Spaziergaenge und sanftes Schwimmen sind in der Regel empfehlenswert
- Links-Seitenlage: Beim Schlafen kann die linke Seitenlage die Durchblutung der Plazenta verbessern
Medikamente in der Schwangerschaft
Zugelassene Medikamente:
- Methyldopa: Mittel der ersten Wahl, seit Jahrzehnten bewaehrt und sicher
- Nifedipin (retardiert): Kalziumkanalblocker, haeufig eingesetzt
- Metoprolol: Betablocker, bei Bedarf
- Urapidil: Bei akutem schweren Bluthochdruck
Verbotene Medikamente in der Schwangerschaft:
- ACE-Hemmer (z. B. Ramipril): Koennen schwere Fehlbildungen verursachen
- AT1-Antagonisten/Sartane (z. B. Candesartan): Ebenso gefaehrlich wie ACE-Hemmer
- Einige Diuretika: Koennen die Plazentadurchblutung verschlechtern
Sehr wichtig: Wenn Sie bereits Blutdruckmedikamente einnehmen und schwanger werden moechten oder eine Schwangerschaft feststellen, sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt. ACE-Hemmer und Sartane muessen vor oder zu Beginn der Schwangerschaft umgestellt werden.
Engmaschige Ueberwachung
Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft werden Sie engmaschiger ueberwacht:
- Haeufigere Vorsorgeuntersuchungen
- Regelmaessige Blutdruckkontrollen (auch zu Hause)
- Urinuntersuchungen auf Eiweiss
- Blutuntersuchungen (Leber, Nieren, Blutbild)
- Ultraschall zur Ueberwachung des kindlichen Wachstums
- CTG (Herztonueberwachung des Babys)
Vorbeugung
Nicht jeder Bluthochdruck in der Schwangerschaft laesst sich verhindern. Aber Sie koennen Ihr Risiko reduzieren:
Vor der Schwangerschaft
- Normalgewicht anstreben (BMI 18,5-25)
- Bestehenden Bluthochdruck gut einstellen
- Medikamente ueberpruefen lassen (keine ACE-Hemmer/Sartane)
- Folsaeure-Supplementierung beginnen
Waehrend der Schwangerschaft
- Alle Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
- Regelmaessig Blutdruck messen
- Auf Warnsymptome achten
- Gesund ernaehren (salzarm, kaliumreich)
- Ausreichend bewegen (leichter Sport)
- Stress reduzieren
Aspirin zur Vorbeugung
Bei Frauen mit erhoehtem Praeeklampsie-Risiko empfehlen Leitlinien die taegliche Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (100-150 mg) ab der 12. Schwangerschaftswoche. Dies kann das Praeeklampsie-Risiko um bis zu 60 Prozent senken. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.
Nach der Schwangerschaft
- Blutdruck weiterhin kontrollieren
- Nachsorge beim Frauenarzt und ggf. Internisten
- Beachten Sie: Frauen mit Schwangerschaftshypertonie haben ein erhoehtes Risiko, spaeter chronischen Bluthochdruck zu entwickeln
- Stillen hat einen blutdrucksenkenden Effekt
Langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Mutter
Frauen, die waehrend der Schwangerschaft Bluthochdruck hatten, sollten ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit langfristig im Blick behalten. Studien zeigen:
- 2- bis 4-fach erhoehtes Risiko fuer chronischen Bluthochdruck in den folgenden 10-20 Jahren
- Erhoehtes Risiko fuer Herzerkrankungen und Schlaganfall im spaeteren Leben
- Erhoehtes Risiko fuer Typ-2-Diabetes
- Erhoehtes Risiko fuer Bluthochdruck bei erneuter Schwangerschaft
Diese Erkenntnisse sind kein Grund zur Sorge, sondern ein Grund zur Achtsamkeit. Regelmaessige Vorsorgeuntersuchungen, ein gesunder Lebensstil und die Kenntnis Ihres Risikos sind der beste Schutz. Informieren Sie bei kuenftigen Arztbesuchen immer ueber Ihren Bluthochdruck in der Schwangerschaft.
FAQ: Haeufige Fragen zu Bluthochdruck in der Schwangerschaft
Wie hoch darf der Blutdruck in der Schwangerschaft sein?
Werte unter 140/90 mmHg gelten in der Schwangerschaft als normal. Werte ab 140/90 mmHg erfordern eine engmaschige Ueberwachung, Werte ab 150-160/100-110 mmHg werden in der Regel medikamentoes behandelt. Werte ab 160/110 mmHg sind ein Notfall und erfordern sofortige aerztliche Behandlung.
Was tun bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft?
Nehmen Sie alle Vorsorgeuntersuchungen wahr, messen Sie regelmaessig Ihren Blutdruck, achten Sie auf Warnsymptome der Praeeklampsie und folgen Sie den Empfehlungen Ihres Arztes. Eine salzarme Ernaehrung, leichte Bewegung und Stressreduktion sind sinnvoll. Bei erhoehten Werten koennen sichere Medikamente wie Methyldopa eingesetzt werden.
Was ist Praeeklampsie?
Praeeklampsie ist eine Schwangerschaftskomplikation, die durch Bluthochdruck (ueber 140/90 mmHg) nach der 20. Schwangerschaftswoche zusammen mit Eiweiss im Urin oder anderen Organschaeden gekennzeichnet ist. Sie betrifft 3-5 Prozent aller Schwangerschaften und erfordert engmaschige Ueberwachung, da sie Risiken fuer Mutter und Kind birgt.
Geht Bluthochdruck nach der Schwangerschaft wieder weg?
Schwangerschaftshypertonie und Praeeklampsie bilden sich in der Regel innerhalb von 6-12 Wochen nach der Geburt zurueck. Allerdings haben betroffene Frauen ein 2- bis 4-fach erhoehtes Risiko, spaeter im Leben chronischen Bluthochdruck zu entwickeln. Regelmaessige Blutdruckkontrollen bleiben daher auch nach der Schwangerschaft wichtig.
Welche Medikamente sind in der Schwangerschaft erlaubt?
Methyldopa ist das Mittel der ersten Wahl und seit Jahrzehnten als sicher bewaehrt. Auch Nifedipin (retardiert) und Metoprolol koennen eingesetzt werden. ACE-Hemmer und Sartane sind dagegen streng verboten, da sie schwere Fehlbildungen verursachen koennen. Nehmen Sie niemals eigenmaechttig Medikamente ein.
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